Vertrauen

oder Kontrolle?

Gestern hätte mich fast ein Baum erschlagen.

Es war stürmisch und kurz vor dem Regen, als ich durch den Bürgerpark ging und plötzlich ein merkwürdiges Knacken hörte. Ein Ast fiel zu Boden. Dann noch einer. Ich blieb stehen und beobachtete den riesigen Baum. Es war, als würde es/jemand in dem Baum arbeiten. Dann ein lautes, reißendes Geräusch und der Baum setze sich ganz langsam in Bewegung – in meine Richtung. Kurz habe ich überlegt, das Handy zu zücken, um es zu filmen, aber dann habe ich doch die Beine in die Hand genommen und bin gerannt. Krachend fiel er zu Boden. Dorthin, wo ich zuvor gestanden hatte. 

Nur ein paar Sekunden zuvor hatte ich die Natur(-wesen) um ein Zeichen gebeten. Ich bat um Kontakt, um einen Hinweis auf deren Existenz – war das jetzt ein „Ja“ oder ein „Nein“?

Wir wollen das Leben verstehen, wir wollen, dass alles nach Plan läuft, wir wollen gestalten.

Deshalb zerbrechen wir uns oft den Kopf, schmieden Pläne, wägen ab und wollen kontrollieren. Das Gefühl der Kontrolle soll uns Sicherheit vermitteln. Denn nur wenn wir uns sicher fühlen, können wir unser volles Potenzial entfalten. Aber es gibt keine absolute Sicherheit. Das Leben passiert und wir können durch unsere bewussten Entscheidungen mit oder gegen den Strom schwimmen.

Ich schwimme sehr gerne „gegen den Strom“. Der Main-Stream ist nicht mein Strom. Mein Fluß fließt anders und so hat jeder seinen eigenen Fluß, den er finden und sich in ihm treiben lassen darf.

Das Außen spiegelt unser Inneres und das, was du an einem anderen verurteilst, verurteilst du im Stillen bei dir selbst uind das, was du an anderen bewunderst, steckt auch in dir.

Ich habe das Gefühl, dass es sich beim Thema Vertrauen anders verhält.

Wenn du anderen zu sehr vertraust, fehlt dir das Vertrauen in dich selbst. Das Vertrauen in dein eigenes Wissen, in deine innere Führung und am Ende ins Leben selbst.

Ich übe mich im Vertrauen. Ich vertraue anderen Menschen manchmal zu leicht und traue mir selbst immer mehr (zu). Und im Grunde meines Herzens weiß ich, dass das Leben FÜR mich ist. Immer.

Vielleicht wäre der Baum direkt neben mir gelandet!?

Vertrauen ist gut, aber trotzdem müssen wir handeln und manchmal sogar rennen…

„Wer andern gar zu wenig traut, 

hat Angst an allen Ecken; 

wer gar zu viel auf andre baut, 

erwacht mit Schrecken.“ (Wilhelm Busch)

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