Dunkelheit

Die dunkle Nacht der Seele

Draußen ist es grau. Die Dunkelheit dominiert immer noch unsere Zeit, obwohl die Tage seit dem 21. Dezember wieder länger werden. Aber die Dunkelheit macht vielen von uns Angst. Wir wollen Licht, Leichtigkeit und Lächeln. Vor allem in der spirituellen Szene wird oft von Licht und Liebe gesprochen. „Es gibt nur die Liebe – alles andere ist Illusion.“ Und so kann es passieren, dass wir uns etwas vormachen. Die Dunkelheit nicht sehen wollen – schon gar nicht unsere eigene.

Doch plötzlich passiert etwas, das uns in den Abgrund der Finsternis reißt.

So war es auch bei mir. 

Nach einem ziemlich schönen und harmonischen Weihnachtsfest und Übergang ins Neue Jahr hat ES mich plötzlich getroffen:

Am 01.01. um 13:24 Uhr hat mich ein Ereignis, das nur 2 Sekunden gedauert hat, in den Abgrund gestürzt.

Von jetzt auf gleich bin ich gefallen, ist mir die Luft zum Atmen weggeblieben, mein Herz ist zerrissen und all meine Schatten, all der alte Schmerz, die Wut, die Ohnmacht waren wieder da. Muster, die ich schon glaubte durchbrochen zu haben, Baustellen, die ich für geschlossen erklärt hatte und Wunden die schon lange geheilt schienen, haben sich mir offenbart. Die dunkle Nacht der Seele wurde außerdem zur „dunklen Seite der Macht“, denn es zeigten sich nicht nur verletzte Anteile in mir, die ich relativ leicht trösten und lieben kann, sondern auch sehr unlichte Anteile, wie Mißgunst, Eifersucht und Rachegelüste. Diese waren noch viel schwerer auszuhalten – möchte ich doch so gerne das liebevolle Lichtwesen voller Güte und Verständnis sein…

Kennst du das? So oder in ähnlicher Form hat es wohl jeder schon einmal erlebt. Doch wozu?

Warum muss es manchmal so schwer sein? Bisher war ich davon ausgegangen, dass wir nie mit unseren Themen komplett fertig werden, dass immer wieder etwas im Leben auftaucht, das gesehen und geheilt werden möchte. Aber ich dachte, dass es immer leichter wird. Je mehr wir uns mit uns beschäftigt haben, je bewusster wir geworden sind, desto leichter fällt es, den Schatten in uns zu erkennen und zu wandeln. Dachte ich. Aber vielleicht bezieht es sich nur darauf, wie schnell wir die Ereignisse einordnen und „erledigen“ können und nicht auf die Intensität der Trauer, des Schmerzes und der Dunkelheit. Denn das sehe ich bereits und habe es auch während dieser Zeit (meistens) spüren können. Dass alles genau richtig so ist. Dass genau DAS jetzt nötig ist, um endlich weitergehen und heilen zu können. Dass die Zeit reif ist und dass vielleicht die Tiefe des Falls genau die Energie ist, die mich am Ende noch höher fliegen lässt. 

Wie bei einem Trampolin…

„Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

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